im pavillon

Triggerwarnung. Es geht im Text um Verlust.

Ich sitze im Park und mache wie oft eine kleine Skizze. Dieses Mal von einem Kind mit seinem Elternteil im Pavillon. Es war dieser Raum, der in mitten des Parkes eine kleine Bühne geschaffen hat. Es hat mich fasziniert zu sehen, wie Kinder in einem Moment da sein können. Ganz im Hier und Jetzt. Daraus ist dieses Gemälde und der dazugehörige Text entstanden.

Wie soll ich das Zimmer verlassen, wenn die Wände der Raufasertapete mein einziges Spiegelbild sind.

Menschen brauchen manchmal zwei Stufen und eine runde Plattform und ein kleines Dach, das sie schützt. Dann können sie darin Leben für ein paar Sekunden.

Wenn wir die Sekunden zählen, die wir dort zusammen verbracht haben, kann ich nicht glauben, dass wir beide zur gleichen Zeit existiert haben.

Du hast vielleicht schon immer vor mir existiert. Und hast geübt. Zu leben.

Die zwei Stufen kann ich nicht mehr alleine laufen. Ich brauchte deine kleine Hand, die mich gezogen hat und deine Augen, die immer wieder suchend sicher sein wollen, das ich dir zusehe.

Und ich habe dir zugesehen. Immer wieder und ich habe bewundere deine Ausdauer. Du versuchst es immer wieder, die Welt von der anderen Seite zu sehen.

Deine Hände haben die rauen Holzplatten berührt und nicht selten haben wir Zuhause die Spreißel aus deinen Händen gezogen.

Deine kleinen Füße haben sich abgestoßen von dem Boden. Immer und immer wieder.

Wir sind im Park. Natürlich sind wir im Park.

Wo sollten wir sonst sein, wenn die Wolken mehr Bilder malen als ich es in 10 Jahren schaffen kann.

Die Wolken tanzen heute aus dem Takt. Die Zeit als du noch nicht geboren warst, bin ich den Weg zu unserem Lieblingsort auch immer gelaufen.

Jetzt wo du hier bist, kommt mir der Weg ewig vor. Weil du jedes Blatt siehst. Und wir jedes Mal stehen bleiben und sehen, ob die Blumen bereits gewachsen sind.

Wir hatten so viel Zeit auf dem Weg, dass ich das erste Mal Pflanzen wachsen gesehen habe. Wir werden sie zusammen gesät haben.

Gegossen habe ich sie Jahre später mit meinen Tränen. Und jetzt kommen sie jedes Jahr wieder.

Du zeigst mir, dass die Wirklichkeit mehr ist als grün im Baum und blau im Himmel. Die Welt mit dir ist als würdest du so weise sein, wie mit neunundachtzig.

Wir hatten so wenig Zeit, dass ich nicht mal weiß, ob du je gelebt hast. Und doch bin ich mir sicher, du hast mehr gelebt als ich es die nächsten Jahre leben können werde.

Du hast dich auf den Kopf gestellt und mich mit dazu. Und wie soll ich alleine Blumenbetrachterin werden, wenn ich nur noch die Kieselsteine auf dem Boden sehe.

Der zweite Fuß hat Sekunden ebenfalls geschwebt. Das Ziel vor Augen war nie relevant.

Vielleicht schaffe ich es bis zum Baum und schau von dort bis zur Erinnerung.

Sehe wie du es das erste Mal den Pavillon entdeckt hast. Schließe die Augen und werde deine kalten Hände fühlen und fühlte mein kaltes Herz.

Der Eintritt war frei und zu deinem Herz auch. Ich versuche dich zu malen, aber ich habe Angst dich nicht zu treffen und so verschwimmst du mit dem Boden.

Du bist so flach und wenn ich einmal Atmen würde, verschwimmt dein Körper. Aber das wird nicht passieren. Ich werde nicht mehr Atmen können.

Weil Zeit parallel existiert bist du hier und ich weg.

Und für einen Moment sind wir wieder zusammen.

Im Pavillon.

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